Wollqualitäten (von fein bis grob) im Überblick

Wollqualitäten (von fein bis grob) im Überblick

Wer sich auf die Suche nach einer schönen Wolle für seine nächste Häkelarbeit macht, hat die Qual der Wahl. Die Auswahl ist riesig und was die Wollsorten, die Garnstärken und die Muster angeht, ist alles erhältlich, was das Herz begehrt. Aber Wolle ist nicht gleich Wolle, denn je nach Wolllieferant und Wollstruktur kann es sehr große Unterschiede geben.

Ein paar Grundinfos zu Wolle vorab

Zunächst einmal steht die Bezeichnung Wolle als Oberbegriff für alle Haare, die von Säugetieren stammen. Waren Ziegen, Kaninchen oder Lamas die Lieferanten, wird der Lieferant häufig im Namen genannt. So heißt die entsprechende Wolle dann beispielsweise Kaschmir-, Angora- oder Alpakawolle. Ist nur von Wolle die Rede, ist damit oft Schafwolle gemeint. Schafwolle nutzt der Mensch schon sehr lange und weil die verfügbare Menge recht groß ist, gehört Schafwolle zu den günstigen Wollarten.

Schafwolle wird gewonnen, indem die Schafe geschoren werden. Aus diesem Grund wird manchmal auch von Schurwolle gesprochen. Doch selbst innerhalb der Schafwolle gibt es viele verschiedene Varianten. Die Schafrassen, die heute bekannt und verbreitet sind, sind durch Züchtungen über unzählige Generationen entstanden. Die Rassen wurden immer wieder miteinander gekreuzt, um eine immer feinere, dichtere und längere Wolle zu erhalten.

Außerdem wurde der Fellwechsel, der einen dünnen Pelz im Sommer und einen dichten Pelz im Winter mit sich brachte, weitgehend weggezüchtet. Dadurch steht das ganze Jahr über eine Wolle in nahezu identischer Qualität zur Verfügung. Die Wollqualitäten decken heute die gesamte Bandbreite von feinen bis zu groben Wollen ab. Die Unterschiede ergeben sich dabei daraus, von welchem Schaf die Wolle stammt und wie das Wollkleid dieses Schafs beschaffen ist. So liefert ein Schaf mit einem feinen, kurzen Fell eine andere Wolle als ein Schaf mit einem dichten und langen Pelz.

Die Wollqualitäten im Überblick

Die verschiedenen Wollqualitäten weisen unterschiedliche Eigenschaften auf und werden für verschiedene Zwecke genutzt. Dabei wird zwischen feiner, mittelfeiner und grober Wolle unterschieden:

Feine Wolle

Feine Wollqualitäten werden zu Kamm- und zu Streichgarnen verarbeitet.

Die feinste Schafwolle liefert dabei das Merinoschaf. Merinowolle wird aus Wollhaaren gewonnen, die zwischen 40 und 120 Millimeter lang, stark gekräuselt, eher glanzarm und sehr weich sind. Die hohe Elastizität und die Gleichmäßigkeit sind zwei weitere Merkmale dieser Wollqualität. Wollen mit feiner Struktur werden unter anderem für Socken, Pullover und Handarbeitsgarne verwendet.

Mittelfeine Wolle

Typische Lieferanten von mittelfeiner Wolle sind das Coburger, das Texel- und das Eiderschaf. Einige Schafrassen mit mittelfeinem Haarkleid sind auch das Ergebnis von Kreuzungen zwischen feinwolligen und langwolligen Schafen. Ein Beispiel dafür ist das Crossbred-Schaf, das aus dem feinwolligen Merinoschaf und dem langwolligen Lincolnschaf gezüchtet wurde.

Mittelfeine Wollqualitäten sind nicht ganz so fein und weich, dafür aber robuster als feine Wollqualitäten. Aus mittelfeinen Wollen können eigentlich Häkelarbeiten aller Art angefertigt werden. Zudem eignen sich diese Wollen auch zum Filzen. In der industriellen Verarbeitung werden mittelfeine Wollen beispielsweise für Füllungen von Bettwaren verwendet. Insgesamt werden Schafe mit mittelfeinem Wollkleid aber weniger als Wolllieferanten, sondern eher ihres Fleisches wegen gehalten.

Grobe Wolle

Grobe Wolle stammt von Schafen, die in Gegenden mit eher rauer Natur zu Hause sind. Dadurch verfügen die Schafe über ein dichtes, warmes Fellkleid. Die Heidschnucke und das Bergschaf gehören beispielsweise zu den Schafen mit grober Wolle. Das Wollkleid von grobwolligen Schafen ist meist nicht oder kaum gekräuselt und kann üblicherweise nicht von Hand versponnen werden. Grobe Wolle ist zwar warm und dicht, aber auch recht kratzig. Deshalb werden grobe Wollqualitäten nicht für Kleidungsstücke verwendet.

Stattdessen werden sie in erster Linie zu Teppichen und Wandbehängen verarbeitet. Ein anderer Lieferant von grober Wolle ist das Karakul-Schaf. Aus dem schwarzen, dichten, kraus gelockten und glänzenden Fell der Lämmer werden Pelze hergestellt.

Kurze und lange Wolle

Neben der Struktur ist auch die Länge der Wollfäden ein Unterscheidungsmerkmal bei den Wollqualitäten. Von einer kurzwolligen Qualität wird gesprochen, wenn die Wollfäden kürzer sind als 60 Millimeter. Zu den kurzwolligen Schafrassen gehört beispielsweise das Shetland-Schaf. Bei langwolligen Qualitäten bewegt sich die Länge der Wollfäden zwischen 180 und 400 Millimetern. Die langen Wollen werden auch Cheviot- oder Glanzwollen genannt. Sie sind nur leicht geschuppt und wenig gekräuselt.

Zu ihren charakteristischen Merkmalen gehört der ausgeprägte Glanz. Bekannte Vertreter unter den Langwollschafen sind das Lincoln- und das Leicester-Schaf. Aus Langwollen werden Möbelstoffe, Teppiche und Heimtextilien hergestellt. Außerdem werden sie zu Handarbeitsgarnen verarbeitet und eignen sich für gröbere Häkelarbeiten mit eher rustikaler Note.

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