Anleitung: gleichmäßige, wirklich runde Kreise häkeln

Anleitung: gleichmäßige, wirklich runde Kreise häkeln

Ob für runde Topflappen, Deckchen und Untersetzer, Körbe, Taschen oder Spielzeug: Bei Häkelarbeiten werden oft Kreise angefertigt. Und vor allem wenn in Spiralrunden gehäkelt wird, ist das auch ziemlich einfach.

Anleitung gleichmäßige, wirklich runde Kreise häkeln

Anders als bei echten Runden, die mit Kettmaschen enden und mit Anfangs-Luftmaschen beginnen, haben Spiralrunden schließlich keinen Übergang. Stattdessen wird einfach, wie eben bei einer Spirale, immer nur ringsherum gehäkelt.

Damit der Kreis den benötigten Durchmesser erreicht, werden regelmäßig Maschen zugenommen. Doch genau an dieser Stelle taucht ein Problem auf. Denn wenn die Zunahmen nach dem normalen, klassischen Schema erfolgen, entwickelt sich der eigentlich runde Kreis immer mehr zu einem Sechseck.

Aber zum Glück gibt es eine einfache Lösung, die das verhindert. Wir erklären in dieser Anleitung, wie gleichmäßige und wirklich runde Kreise gehäkelt werden können!:

Das klassische Zunahmeschema bei runden Häkelarbeiten

Normalerweise beginnt eine runde Häkelarbeit entweder mit einem Fadenring oder einer Luftmaschenkette, die mit einer Kettmasche zur Runde geschlossen wird. Nachdem in der ersten Runde dann sechs feste Maschen in den Ring gehäkelt wurden, kommen in jeder Folgerunde sechs neue Maschen dazu.

Dafür wird in jeder Runde immer eine Masche mehr zwischen den Zunahmen gehäkelt. Das Schema lautet also so:

  1. Runde: 6 feste Maschen in den Ring häkeln
  2. Runde: alle Maschen verdoppeln = 12 Maschen
  3. Runde: jede zweite Masche verdoppeln = 18 Maschen
  4. Runde: jede dritte Masche verdoppeln = 24 Maschen
  5. Runde: jede vierte Masche verdoppeln = 30 Maschen
  6. Runde: jede fünfte Masche verdoppeln = 36 Maschen
  7. Runde: jede sechste Masche verdoppeln = 42 Maschen

So geht es immer weiter, bis die Häkelarbeit den benötigten Durchmesser hat.

Weil sich die Zunahmen in jeder Runde um eine Masche verschieben, werden die zwei festen Maschen immer in die erste Masche, die in der vorhergehenden Runde zugenommen wurde, gehäkelt.

Die Folge davon ist nicht nur, dass die Zunahmen deutlich sichtbar in einer Linie verlaufen. Sondern durch die Zunahmelinien entstehen leichte Ecken, die dazu führen, dass der Kreis die Form eines Sechsecks annimmt.

Das abgewandelte Zunahmeschema für gleichmäßige, kreisrunde Häkelarbeiten

Die Problematik mit dem Sechseck ergibt sich also daraus, dass die Zunahmen in einer Linie übereinander verlaufen. Damit die Häkelarbeit kreisrund wird, besteht die Lösung deshalb darin, die Zunahmen zu versetzen.

Doch keine Sorge:

Das geht ganz einfach und ohne komplizierte Rechenarbeiten.

Dabei werden die ersten vier Runden zunächst ganz normal, wie oben beschrieben gehäkelt. In den Ring werden also zuerst sechs Maschen gearbeitet und in den drei folgenden Runden jeweils sechs neue Maschen dazugenommen. Gleichzeitig vergrößert sich der Abstand zwischen den Zunahmen in jeder Runde um eine Masche.

Nach der vierten Runde besteht die Häkelarbeit so aus 24 festen Maschen. Ab der fünften Runde werden die Zunahmen dann versetzt. Und dafür gibt es zwei Möglichkeiten.

Variante 1: die Zunahmen halb versetzen

Die Zunahmen können in der fünften und in allen weiteren ungeraden Runden um die halbe Maschenzahl versetzt werden. Die geraden Runden werden nach dem normalen Zunahmeschema gehäkelt.

Das bedeutet:

  1. Runde: erst die zweite und danach jede vierte Masche verdoppeln; die Runde endet mit zwei festen Maschen = 30 Maschen
  2. Runde: jede fünfte Masche verdoppeln = 36 Maschen
  3. Runde: die dritte und anschließend jede sechste Masche verdoppeln; am Ende werden drei feste Maschen gehäkelt = 42 Maschen
  4. Runde: jede siebte Masche verdoppeln = 48 Maschen
  5. Runde: die vierte und dann jede achte Masche verdoppeln; mit vier festen Maschen enden = 54 Maschen
  6. Runde: jede neunte Masche verdoppeln = 60 Maschen

Wie beim normalen Zunahmeschema kommen also auch hier in jeder Runde sechs neue Maschen dazu. Nur werden die Zunahmen in den ungeraden Runden um die halbe Maschenzahl nach vorne verschoben.

Variante 2: die Zunahmen komplett versetzen

Noch einfacher wird es, wenn die Zunahmen komplett versetzt werden. Dafür beginnen die fünfte und alle weiteren ungeraden Runden direkt mit den Zunahmen. Die geraden Runden hingegen fangen wie gehabt mit den geraden Abschnitten an.

Gehäkelt wird also so:

  1. Runde: *eine Masche verdoppeln, drei feste Maschen* 6x = 30 Maschen
  2. Runde: jede fünfte Masche verdoppeln = 36 Maschen
  3. Runde: *eine Masche verdoppeln, fünf feste Maschen* 6x = 42 Maschen
  4. Runde: jede siebte Masche verdoppeln = 48 Maschen
  5. Runde: *eine Masche verdoppeln, sieben feste Maschen* 6x = 54 Maschen
  6. Runde: jede neunte Masche verdoppeln = 60 Maschen

Auch bei dieser Variante verändert sich die Anzahl der Zunahmen nicht. In jeder Runde kommen nämlich sechs neue Maschen dazu. Nur wechseln sich die Runden, die mit Zunahmen beginnen, und die Runden, die mit gerade gehäkelten Abschnitten anfangen, ab.

Was das Versetzen bringt

Dadurch, dass die Zunahmen nicht mehr nur um eine Masche verschoben werden, sondern gleich um mehrere Maschen weiter wandern, verlaufen die Zunahmelinien nicht mehr übereinander.

Die neuen Maschen fügen sich gleichmäßiger verteilt in die Häkelarbeit ein. Das bewirkt, dass keine Ecken mehr entstehen, sondern die Häkelarbeit tatsächlich kreisrund wird und bleibt.

Die Anleitung lässt sich übrigens auch auf andere Maschenarten übertragen. Ob der Kreis aus festen Maschen, halben Stäbchen oder Stäbchen gehäkelt wird, spielt nämlich keine Rolle. Das Zunahmeschema bleibt das Gleiche.

Rund gehäkelte Arbeiten aus halben Stäbchen oder Stäbchen beginnen nur meist mit etwas mehr Maschen. Bei Stäbchen beispielsweise werden oft zehn oder zwölf Maschen in den Ring gehäkelt.

Aber ab der zweiten Runde bleibt alles beim Alten:

Erst wird jede Masche, dann jede zweite Masche, danach jede dritte Masche, anschließend jede vierte Masche usw. verdoppelt. Ab der fünften Runde werden die Zunahmen wie oben beschrieben versetzt.

Ein Tipp zum Schluss

Es kann passieren, dass sich die Häkelarbeit am Rand wellt. Das hat nichts damit zu tun, dass bei den Zunahmen etwas schief gelaufen ist. Vielmehr kann das am Häkelgarn oder daran liegen, wie fest gehäkelt wird.

Lässt sich die Häkelarbeit trotz leichtem Wellenrand problemlos glattstreichen, können die Zunahmen ganz normal fortgesetzt werden.

Die Wellen verschwinden später von selbst. Wellt sich der Rand stärker, sollte zwischendurch immer mal wieder eine Runde ohne Zunahmen eingearbeitet werden. Durch diese zusätzlichen Runden verzieht sich die Häkelarbeit nicht.

Mehr Häkelanleitungen, Häkelvorlagen, Tipps und Ratgeber:

Thema: Anleitung: gleichmäßige, wirklich runde Kreise häkeln

Anzeige
Twitter

Redaktion

Inhaber bei Internetmedien Ferya Gülcan
Hallo, mein Name ist Gabi und ich bin 1968 geboren. Meine Töchter und ich schreiben hier, mit Ferya Gülcan (Betreiberin dieser Webseite und Redakteurin, sowie Sevil Kur vom Youtubekanal Sevilart, für euch diverse Anleitungen, Übungen und Tipps zum Thema Häkeln. Häkelarbeiten und Handarbeiten waren schon berufsbedingt mein Steckenpferd, als Inhaberin eines kleinen Handarbeitsladen für Wolle und Co. So hoffe ich von Groß bis Klein, jeden die verschiedensten Häkeltechniken nahe zu bringen.
Redaktion
Twitter

Letzte Artikel von Redaktion (Alle anzeigen)

Veröffentlicht von

Redaktion

Hallo, mein Name ist Gabi und ich bin 1968 geboren. Meine Töchter und ich schreiben hier, mit Ferya Gülcan (Betreiberin dieser Webseite und Redakteurin, sowie Sevil Kur vom Youtubekanal Sevilart, für euch diverse Anleitungen, Übungen und Tipps zum Thema Häkeln. Häkelarbeiten und Handarbeiten waren schon berufsbedingt mein Steckenpferd, als Inhaberin eines kleinen Handarbeitsladen für Wolle und Co. So hoffe ich von Groß bis Klein, jeden die verschiedensten Häkeltechniken nahe zu bringen.

Kommentar verfassen