Die wichtigsten Wollarten

Grundwissen: einige der wichtigsten Wollarten in der Übersicht  

Wenn eine neue Häkelarbeit geplant ist, stellt sich zunächst einmal die Frage, aus welchem Material diese angefertigt werden soll. Im Handel gibt es Häkel- und Strickgarne nämlich nicht nur in den unterschiedlichsten Farben und Stärken, sondern auch aus verschiedenen Materialien.

Dabei lassen sich die Garne im Wesentlichen in drei große Gruppen einteilen.

 

So gibt es zum einen Garne, die aus Chemiefasern bestehen, und zum anderen Garne aus Pflanzenfasern wie Baumwolle. Die dritte Gruppe bilden Garne, bei denen Tiere die Lieferanten sind. Neben Seide gehört Wolle in diese dritte Gruppe, wobei Wolle keineswegs immer nur von Schafen stammt.

Im Sinne von Grundwissen hier einige der wichtigsten Wollarten in der Übersicht:  

Wolle – Schafwolle

Strenggenommen darf nur Wolle, die vom Schaf stammt, tatsächlich auch als Wolle bezeichnet werden. Menschen nutzen die vielseitig einsetzbare Schafwolle schon seit jeher für Kleidung und Textilien, im Laufe der Zeit hat Wollkleidung durch die Entwicklung anderer Tier-, Pflanzen- und Chemiefasern jedoch ein wenig an Bedeutung verloren.

Um Schafwolle zu gewinnen, werden die meisten Schafrassen geschoren. Das Wollvlies wird anschließend gewaschen, gekämmt, gefärbt oder gebleicht und versponnen. Bei der Herstellung von Wolle fällt das Wollwachs Lanolin an, das der Wolle vor der Verarbeitung entzogen wird.

Lanolin hat fettende, pflegende und schützende Eigenschaften, weshalb es unter anderem in Kosmetikprodukten, Salben und auch in der Schuhpflege verwendet wird. Teilweise wird es der gereinigten und veredelten Wolle aber auch wieder hinzugefügt. Häkel- und Strickgarne können aus reiner Wolle bestehen, aber auch mit anderen Fasern vermischt sein. 

Mohair – Angoraziegenwolle
 

Die Angoraziege, die früher auch Kamelziege genannt wurde, ist eine Hausziegenrasse und gehört zu den Wollziegen. Die reinweiße Angoraziege hat langes Haar, das seidig und lockig herunterhängt. Im Unterschied zu Schafwolle ist Mohair aber nicht gekräuselt. Ursprünglich stammen Angoraziegen aus der Provinz Ankara im türkischen Anatolien, die Bezeichnung Mohair hat ihre Wurzeln in der arabischen Sprache und beschreibt einen Stoff aus Haaren.

Angoraziegen werden zweimal pro Jahr geschoren und bringen im Durchschnitt zwischen zwei und drei Kilogramm Ertrag pro Ziege und Jahr. Die Qualität ändert sich mit zunehmendem Alter der Ziegen und je jünger die Ziege ist, desto feiner ist das Mohair. Unterschieden wird Mohair daher in die Kategorien kid, young goat und adult.

Mohair wird für Garne und Stoffe sowie für Kleidung, Haushaltstextilien und Teppiche verwendet. Traditionell kommt Mohair außerdem bis heute bei der Herstellung von hochwertigen Teddybären, Puppenperücken und Skifellen zum Einsatz. 

Angora – Angorakaninchenwolle

Angora wird aus den Haaren des Angorakaninchens, einer langhaarigen Kaninchenrasse, gewonnen. Bei Kaninchen mit gröberer Wollstruktur, die hauptsächlich in Frankreich und in der Schweiz gezüchtet werden, sind die Haare des Fells nach etwa vier Monaten überreif. Die Haare werden dann ausgekämmt oder ausgezupft. In Deutschland, Österreich und einigen anderen Ländern werden Angorakaninchen mit feiner Wollstruktur gezüchtet.

Das feine Wollvlies wird durch Schur gewonnen, die vier- bis sechsmal pro Jahr stattfindet. Eine gute Wollqualität setzt aber voraus, dass die Tiere in sauberen und ausreichend großen Stallungen leben und regelmäßig gepflegt werden. Weltweit größter Produzent von Angorawolle ist heute China.

Sowohl die gezupfte als auch die geschorene Angorawolle wird zu sehr hochwertiger, langhaariger Handarbeitswolle und zu Strickwaren verarbeitet. Die sehr feine Angorawolle kennzeichnet sich durch ihre schweißabsorbierenden und wärmenden Eigenschaften. Aus diesem Grund wird Angora häufig für wärmende Unterwäsche, Strumpfhosen sowie Bettwäsche und Decken, aber auch für edle und kostbare Kleidung verwendet. Handarbeitswolle aus Angora ist sehr teuer und ist in Deutschland verhältnismäßig selten erhältlich.  

Kaschmir – Kaschmirziegenwolle

Kaschmirwolle stammt von der Kaschmirziege, die als Wollziegenrasse zu der Familie der Hausziegen gehört. Die Wolle wird gewonnen, indem die feinsten Haare aus dem Unterfell gegen Ende des Winters ausgekämmt werden. Kaschmir gehört zu den feinsten, edelsten, wertvollsten und auch teuersten Naturfasern. Der Preis für die Kaschmirwolle ergibt sich aus der Qualität, wobei als Qualitätskriterien die Feinheit, die Länge, die Krausung und ein möglichst heller Farbton gelten.

Pro Ziege werden nur etwa 150 Gramm der Wolle gewonnen, die sich trotz des geringen Eigengewichtes und der feinen Struktur durch hervorragende Wärmerückhaltungseigenschaften auszeichnet. Die wichtigsten Erzeugerländer von Kaschmirwolle sind China, die Mongolei, der Iran und das mittelasiatische Hochland, aber auch in Australien, Neuseeland und Schottland gibt es Zuchtfarmen.

Aufgrund des Preises werden Wolle, Stoffe, Kleidungsstücke und Accessoires häufig als Gemisch aus Kaschmirwolle und Merino- oder anderer Schafwolle angeboten. In Deutschland muss der Anteil an Kaschmirwolle dabei bei mindestens 85 Prozent liegen, ansonsten darf das Produkt nicht als Kaschmir bezeichnet werden.     

Alpaka – Kamelwolle

Das Alpaka ist eine domestizierte Kamelform, die vor allem von den Inka als Wolllieferant gezüchtet wurde. Nachdem spanische Eroberer jedoch Schafe mitbrachten und kein Interesse an den einheimischen Nutztieren zeigten, wurden Alpakas zum fast vergessenen und nahezu ausgestorbenen Nutztier der armen indianischen Bevölkerung.

Erst mit der Unabhängigkeit Südamerikas wurde die Zucht wieder aufgenommen und die Wolle weltweit exportiert. Alpakawolle ist ein weiche, anschmiegsame Wolle, die nicht kratzt und sehr gute thermische Eigenschaften hat. Sie wird für Accessoires und Kleidung sowie für Bettdecken und Kissen verwendet. Daneben gibt es den Begriff Alpaka aber auch als Bezeichnung für Reißwolle.

Reißwolle ist ein Recyclingprodukt, bei dem Fasern aus dem ursprünglichen Gewebe von Alttextilien gerissen und neu verarbeitet werden. Alpaka bezeichnet dabei eine Reißwolle mit sehr kurzen Fasern aus einem Wollmischgewebe.

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