Grundanleitung fürs Gabelhäkeln am Beispiel eines Sommerschals, Teil 2

Grundanleitung fürs Gabelhäkeln am Beispiel eines Sommerschals, Teil 2

Eine traditionelle Häkeltechnik mit langer Geschichte ist das Gabelhäkeln. Zwischendurch fast ein wenig in Vergessenheit geraten, wird es nun langsam wiederentdeckt. Und das ist auch gar nicht so verwunderlich.

Sommerschal häkeln

Denn Handarbeiten liegen ohnehin voll im Trend und mit dem Gabelhäkeln kommen auch Anfänger prima zurecht. Wer den Dreh einmal raus hat – und das geht beim Gabelhäkeln sehr schnell – kann im Handumdrehen sehr dekorative Arbeiten anfertigen. Charakteristisch für gabelgehäkelte Arbeiten sind die Borten aus Häkelmaschen und markanten Schlingen.

In einem zweiteiligen Beitrag stellen wir das Gabelhäkeln als Grundanleitung und am Beispiel eines Sommerschals vor. Dabei haben wir in Teil 1 erklärt, auf welchem Grundprinzip die Häkeltechnik beruht und was dafür benötigt wird.

Außerdem haben wir uns um den Maschenanschlag gekümmert und gezeigt, wie eine Schlingenborte entsteht. Jetzt, in Teil 2, verknüpfen wir die Schlingenborten miteinander. Und wir nehmen uns einen Sommerschal als Erstlingswerk vor:

 

Die Schlingenborten verbinden

Sind die benötigten Schlingenborten gehäkelt, ist der erste Schritt geschafft. Im zweiten Schritt werden die Schlingenborten jetzt miteinander verbunden. Und das geht so:

  • Zwei Schlingenborten werden nebeneinander hingelegt und so ausgerichtet, dass sich die Schlingen der ersten Borte und die Schlingen der zweiten Borte genau gegenüberliegen. Die erste Schlinge der ersten Borte muss sich also auf der gleichen Höhe befinden wie die erste Schlinge der zweiten Borte. Auch die jeweils zweiten, dritten und alle weiteren Schlingen der beiden Borten müssen direkte Nachbarn sein. Außerdem sollten beide Borten die gleiche Richtung haben, also entweder von oben nach unten oder von unten nach oben verlaufen.
  • Nun wird mit der Häkelnadel die unterste Schlinge der ersten Borte aufgefasst und durch die unterste Schlinge der zweiten Borte gezogen.
  • Anschließend wird die zweite Schlinge der ersten Borte aufgefasst und durch die Schlinge auf der Häkelnadel gezogen. Dabei wird die Häkelnadel von oben in die Schlinge eingestochen.
  • Danach wird die zweite Schlinge der zweiten Borte aufgefasst und durch die Schlinge der ersten Borte, die jetzt noch auf der Häkelnadel liegt, gezogen. Auch hier wird die Häkelnadel wieder von oben in die Schlinge geschoben.

Auf diese Weise werden alle Schlingen, immer abwechselnd einmal von der ersten und einmal von der zweiten Borte, aufgefasst und miteinander verknüpft.

 

Die Häkelnadel muss nicht unbedingt von oben in die Schlingen eingestochen werden. Genauso ist möglich, die Schlingen aufzufassen, indem die Häkelnadel von unten oder von hinten in die Schlingen geführt wird. Wichtig ist nur, sich für eine Methode zu entscheiden und dabei zu bleiben. Denn die Art, wie die Häkelnadel eingestochen wird, bestimmt darüber, wie die Verbindungsmasche aussieht. Und die Verbindung der Borten sollte möglichst gleichmäßig aussehen. Aus diesem Grund sollten sich die Schlingen auch nicht verdrehen.

Tipp: Um zu verhindern, dass sich die Schlingen verdrehen, ist es hilfreich, die Häkelnadel direkt neben der Häkelmasche in der Mitte der Borte einzustechen. Anschließend kann die Häkelnadel in der Schlinge bis zum Rand geschoben werden.

Variationen der Verknüpfung sind zum einen dadurch möglich, dass die Häkelnadel, wie erwähnt, nicht von oben, sondern von unten oder von hinten in die Schlingen gestochen wird. Zum anderen können mehrere Schlingen gleichzeitig miteinander verbunden werden. Hübsch sieht es beispielsweise aus, wenn immer zwei Schlingen einer Borte aufgefasst und durch zwei Schlingen der anderen Borte gezogen werden.

 

Die Randschlingen bearbeiten

Sind die Borten miteinander verbunden, wird die letzte Schlinge mit etwas Nähgarn an einer Häkelmasche festgenäht. Gleiches gilt für die Anfangs- und Endfäden des Häkelgarns.

Die Randschlingen an den beiden Außenseiten der Häkelarbeit können auf unterschiedliche Arten bearbeitet werden:

  • Die Randschlingen können einfach so bleiben, wie sie sind. Dadurch erinnert der Abschluss an wenig an Fransen.
  • Die Randschlingen können ohne zusätzlichen Arbeitsfaden abgehäkelt werden. Die Vorgehensweise ist dabei genauso wie beim Verbinden der Borten. Zuerst wird also eine Randschlinge auf die Häkelnadel genommen. Dann wird die nächste Randschlinge mit der Häkelnadel aufgefasst und durch die Schlinge auf der Nadel gezogen. Anstatt nur einzelne Schlingen aufzufassen, können dabei auch mehrere Schlingen gleichzeitig bearbeitet werden. Auf diese Weise lassen sich wellenförmige Muster gestalten.

Eine weitere Möglichkeit ist, mit einem zusätzlichen Arbeitsfaden zu arbeiten. In diesem Fall wird in jede Randschlinge eine feste Masche gehäkelt. So wird das Häkelmuster in der Mitte der Borten noch einmal aufgegriffen. Je nachdem, mit welchem Häkelgarn gearbeitet wird, kann es aber notwendig sein, eine Luftmasche zwischen den festen Maschen zu häkeln, damit sich der Rand nicht zusammenzieht.

Die Schlingenborte kann auch mit einer Strickarbeit kombiniert werden. Dazu werden die Randschlingen einfach auf eine Stricknadel genommen und wie gewünscht abgekettet oder weitergestrickt.

 

Einen Sommerschal in der Gabelhäkel-Technik arbeiten

Die Basisanleitung zum Gabelhäkeln beschränkt sich auf die wesentlichen Grundlagen, die notwendig sind, um die Technik auszuprobieren. Außerdem haben wir eine Möglichkeit von vielen beschrieben. Jeder Handarbeiter entwickelt im Laufe der Zeit sicher seine eigenen Methoden und Kniffe. Doch damit es nicht nur bei einer schnöden Grundanleitung bleibt, stellen wir ein Projekt vor, das sich prima als Erstlingswerk eignet: einen chicen, luftigen Sommerschal!

 

Die Materialien

  • 200 Gramm Bändchengarn (mit ca. 180 Metern Lauflänge pro 100 Gramm)
  • Häkelnadel in Stärke 7
  • Gabelhäkelnadel
  • Sicherheitsnadel, Wollnähnadel und farblich passendes Nähgarn
  • Schere

Die Anleitung

Für den Schal wird die Gabelhäkelnadel auf einen Abstand von 10 cm eingestellt. Meist wird das die breiteste Gabelweite sein. Die fertigen Borten werden dadurch ungefähr 8 cm breit. Denn beim Häkeln ist das Garn unter Spannung und zieht sich nach dem Herunterstreifen von der Nadel noch etwas zusammen.

Wie in der Grundanleitung (1. Teil) beschrieben, wird nun eine etwa 170 cm lange Borte gehäkelt. Mit Bändchengarn werden für eine Länge von 170 cm ungefähr 250 Schlingen benötigt. Dabei wird bei jeder Schlinge eine feste Masche gehäkelt. Ist die erste Borte fertig, werden noch zwei weitere Schlingeborten gearbeitet. Insgesamt besteht der Sommerschal nämlich aus drei Schlingenborten.

Hinweis: Natürlich kann der Sommerschal auch kürzer oder länger gearbeitet werden. Bei 170 cm langen Borten reicht ein Garnknäuel aber für zwei Borten aus. Dadurch wird es nicht notwendig, einen neuen Arbeitsfaden innerhalb einer Borte anzusetzen. Und wer seinen Schal breiter haben möchte, häkelt einfach eine Schlingenborte mehr.

Nun werden die drei Schlingenborten zusammengehäkelt. Dabei werden immer abwechselnd je eine Schlinge von einer Borte und eine Schlinge von der Nachbarborte miteinander verbunden. Die letzte Schlinge am Ende einer Bortenverbindung wird mit wenigen Nadelstichen festgenäht. Die Randschlingen bleiben so, wie sie sind. Und schon ist der gabelgehäkelte Sommerschal fertig!

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Thema: Grundanleitung fürs Gabelhäkeln am Beispiel eines Sommerschals, Teil 2

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Gabi Neidel

Hallo, mein Name ist Gabi und ich bin 1968 geboren. Meine Töchter und ich schreiben hier für euch diverse Anleitungen, Übungen und Tipps zum Thema Häkeln. Häkelarbeiten und Handarbeiten waren schon berufsbedingt mein Steckenpferd, als Inhaberin eines kleinen Handarbeitsladen für Wolle und Co. So hoffe ich von Groß bis Klein, jeden die verschiedensten Häkeltechniken nahe zu bringen.

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