Materialien zum Häkeln – Alpakawolle im Portrait

Materialien zum Häkeln: Alpakawolle im Portrait  

Für einfachere Häkelarbeiten wie Topflappen, Kissenbezüge oder Taschen muss es nicht gleich die qualitativ hochwertigste Wolle sein. Hier reicht ein eher schlichtes und kostengünstiges Garn üblicherweise völlig aus.

Soll hingegen eine besondere Häkelarbeit angefertigt werden, darf es ruhig auch einmal eine besondere Wolle sein.

Ein Beispiel für eine solche Wolle ist die Alpakawolle, die ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein schien und jetzt ein kleines Comeback erlebt. Aber was macht die Wolle der Alpakas so besonders und welche Eigenschaften zeichnen sie aus?   

Hier die Alpakawolle im Portrait:

Die Herkunft der Alpakawolle

In den südamerikanischen Anden begannen die Inkas schon vor über 4.000 Jahren damit, Alpakas zu züchten. Sie bezeichneten die Wolle der Alpakas als das Vlies der Götter und ein Mantel aus Alpakawolle war ein Symbol für Wohlstand. Der Name Alpaka selbst leitet sich von dem Wort Allpaqa aus der Sprache Quechua ab, das seinerseits auf den Begriff Paqu zurückgeht und übersetzt soviel bedeutet wie hellbraun.

Vermutlich erklärt sich dieser Name in der Farbe der Vikunjas, die die Vorfahren der Alpakas sind. Die Inkas arbeiteten konstant an der Zucht der Tiere, bis es ihnen schließlich gelungen war, Alpakas in mehr als 20 verschiedenen Farben von Weiß über Brauntöne bis hin zu Schwarz zu züchten. Zudem konnten sie einerseits die Qualität der Wolle konstant verbessern und andererseits den Wollertrag pro Tier auf rund drei Kilogramm steigern.

In der Zeit zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert gab es große Herden und die Wolle wurde von Hand zu feinsten Garnen gesponnen, um anschließend zu kostbaren Stoffen und Kleidungsstücken weiterverarbeitet zu werden. Dies sollte sich jedoch mit der Eroberung durch die Spanier ändern. Sie hatten keinerlei Interesse an den einheimischen Nutztieren oder an dem Wissen der Indios über die edle Alpakawolle, sondern brachten stattdessen Schafe aus Europa mit.

Das Alpaka verkam dadurch zum Nutztier der armen Ureinwohner und war zwischenzeitlich sogar vom Aussterben bedroht. Erst als die südamerikanischen Staaten ihre Unabhängigkeit wiedererlangten, fand eine Rückbesinnung auf den Wert der Alpakas statt. Die Zucht der Tiere wurde wieder aufgenommen und auch die Produktion der edlen Wolle kam allmählich wieder in Gang.

Heute gibt es etwa drei Millionen Tiere, die meisten davon leben im Süden Perus, im westlichen Bolivien und in Chile. Von hier aus wird die Wolle mittlerweile in die ganze Welt exportiert.   

Die Eigenschaften der Alpakawolle

Alpakawolle weist eine lange Liste an positiven Eigenschaften auf. So führen die überaus feinen Fasern mit ihren sehr eng anliegenden Schuppen zu einer kuscheligweichen, anschmiegsamen Oberfläche mit einem sanften, seidigen Glanz. Trotz ihrer Feinheit sind die Fasern aber erstaunlich robust und elastisch.

Dies macht Alpakawolle nicht nur lange haltbar, sondern sorgt auch dafür, dass Kleidungsstücke aus Alpakawolle nicht zu Pilling neigen und auch einmal bei höheren Temperaturen gewaschen werden können, ohne gleich spürbar einzulaufen. Außerdem ist die Wolle der Alpakas antistatisch, geruchsneutral und schwer entflammbar. Sie zeichnet sich durch ein hervorragendes Wärmeisoliervermögen aus.

Das bedeutet, sie schützt zuverlässig vor Kälte, Wind und Nässe, gleicht aber auch Hitze aus. Aus diesem Grund ist Alpakawolle sowohl für Winter- als auch für Sommertextilien bestens geeignet. Ein weiterer großer Pluspunkt ist, dass die Wolle der Alpakas, anders als Schaf- oder andere Tierwolle, fast keine Öle und tierischen Fette enthält.

Aus diesem Grund können auch Allergiker und Asthmatiker Alpakawolle tragen. Da es die Alpakawolle von Natur aus in über 20 verschiedenen Farbtönen gibt und somit auf ein Einfärben verzichtet werden kann, handelt es sich bei Alpakawolle in aller Regel um ein reines Naturprodukt, das vielfach als Fair Trade Produkt gehandelt wird. 

Die Qualitäten von Alpakawolle

Heute gilt Alpakawolle als wertvolles Luxusprodukt und gehört neben Kaschmir und Seide zu den exklusivsten, edelsten und teuersten Naturfasern. Allerdings muss auch bei Alpakawolle zwischen unterschiedlichen Qualitäten unterschieden werden. Ein Unterschied ergibt sich daraus, ob es sich um Wolle von den Beinen, dem Bauch und der Brust oder um Wolle vom Rücken handelt. Die Haare von der Rückenpartie sind sehr fein, lang und stark gekräuselt.

Die Kräuselung, die auch als Crimp bezeichnet wird, sorgt für die Elastizität und Spannkraft der Alpakawolle. Zudem lassen sich die Fasern besser verspinnen, je stärker sie gekräuselt sind, und der Crimp verhindert, dass ein Kleidungsstück aus Alpakawolle haart. Im Unterschied zu den feinen Haaren der Rückenpartie sind die Haare, die von den Beinen, dem Bauch und der Brust gewonnen werden, dicker, schwerer und kaum gekräuselt.

Qualitativ sind sie daher minderwertiger. Ein weiteres Qualitätskriterium ist die Feinheit der Faser und hier gilt, dass die Wolle umso wertvoller ist, je feiner die Fasern sind. Die Angabe erfolgt in Micron, die besonders feine und weiche Faser Baby-Alpaka hat beispielsweise bis 22,5 Micron.

Im Handel sind Garne aus reiner Alpakawolle erhältlich, daneben werden aber auch Garne angeboten, die aus einem Gemisch aus Alpakawolle und anderen Wollarten bestehen. Allerdings darf Alpakawolle nicht mit einer Wolle verwechselt werden, die nur Alpaka genannt wird. Bei Alpaka handelt es sich nämlich um ein kostengünstiges Produkt mit minderer Qualität, das aus sehr kurzen Fasern besteht und aus Reißwolle, also aus wollhaltigen Alttextilien und Abfällen der Textilindustrie, hergestellt wird.

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